Heilpraxis für ganzheitliche Sexualtherapie, Paarberatung und Psychotherapie, Fortbildung in Sexologie und Sexualberatung, Supervision
in Hamburg Ottensen
Susanna-Sitari Rescio, Heilpraktikerin für Psychotherapie

Körper und Selbstliebe

Was genau ist Selbstliebe?

Von Selbstliebe ist oft die Rede:“Wir sollten uns mehr selbstlieben.“, heisst es so schön und einfach. Selbstliebe ist etwas, an dem es vielen von uns mangelt - so wird es jedenfalls oft behauptet. Was aber ist Selbstliebe genau?

Während einerseits eher etwas negatives damit assoziiert wird - so etwas wie Egoismus und Eitelkeit oder die Tendenz, nur sich selbst zu beachten und die eigenen Bedürfnisse ohne Rücksicht vorzudrängen - wird auf der anderer Seite ein gut ausgeprägtes Selbstwertgefühl und -vertrauen unter Selbstliebe verstanden. Nach letzterer Verständnis von Selbstliebe vermittelt uns diese, dass das, was wir sind, gut ist; dass wir liebens- und lebenswert sind; dass wir eine Daseinsberechtigung auf dieser Welt haben.

Erich Fromm beschreibt Selbstliebe in seinem Buch ,Die Kunst des Liebens‘ als die Voraussetzung, andere Menschen lieben zu können. Als wesentlicher Teilaspekt vom umfassenderen Selbstwertgefühl, bestimmt Selbstliebe nicht nur das eigene Selbstbild, sondern ist auch die Basis einer guten Verbindung zu anderen Menschen und zur Welt im Allgemeinen. Wie dem auch sei, es handelt sich um sehr nahe verwandte Aspekte, die ineinander übergehen. Selbstliebe ist ebenso ein wichtiger Bestandteil von Selbstwirksamkeit, d.h. jener Fähigkeit, die uns das Gefühl vermittelt, für unsere Wünsche und unsere Bedürfnisse sorgen zu können, nämlich in der Lage zu sein, diese zu realisieren und zu erfüllen, sowie die Überzeugung unsere Ziele durch unseres Handeln erreichen zu können.

Selbstliebe ist also die Fähigkeit, sich anzunehmen, so wie wir sind. Mit allen Ecken und Kanten oder wie eine Freundin von mir sagt, mit allen ,Special Effects‘, die uns ausmachen.

Selbstliebe ist die Fähigkeit, Toleranz und Akzeptanz zu zeigen, für all das, was vermeintlich nicht so gut an uns ist, für all die Aspekte, die wir gerne anders hätten: blondere Haare, breitere Schulter, extravertierteres Auftreten, sympathischeren Umgang mit anderen, stärkeren Körperbau und so weiter.

Selbstliebe ist eine möglichst wertfreie, liebevolle Wahrnehmung dessen, was uns ausmacht, ohne etwas ausschließen zu wollen oder unterdrücken zu müssen, weil wir uns deswegen schämen und unzulänglich fühlen.

Selbstliebe ist aber auch der gesunde Stolz auf sich selbst, der Stolz das zu sein, was uns individuell ausmacht.

Warum ist Selbstliebe wichtig?

Ein Grundbedürfnis des Menschen ist zu lieben und geliebt zu werden. Menschen brauchen Bindung, eine emotionale sichere Bindung, um psychisch und körperlich gesund leben zu können. Selbstliebe ist hierfür der Schlüssel: Je mehr wir uns mit allen Sonnen- und Schattenseiten annehmen können ohne uns dabei schlecht zu machen, zu verurteilen und uns zu schämen, desto besser werden wir in der Lage sein, unsere*n Partner*in mit all seinen/ihren ,Special Effects‘ anzunehmen und zu lieben, wie er/sie ist.

Warum ist es wichtig, den Körper einzubeziehen um Selbstliebe zu entwickeln?

Der Körper ist unser Zuhause. Er ist der Ort an dem alle unsere Gefühle, Gedanken und Glaubenssätze sich verkörpern und zum Ausdruck kommen.

Den Körper in den immer währendem Prozess der Selbstliebe zu integrieren ist unentbehrlich. Sich im Körper zu verankern, ist der sicherste Weg, um sich selbst gegenüber mehr Offenheit, Akzeptanz und Toleranz und somit schließlich Selbstliebe zu erreichen.
Eine liebevolle Hinwendung zum eigenen Körper, zu seinem sinnlichen Potenzial und zu seinem verborgenen Reichtum ist die Basis, von der aus wir in die Welt hinausgehen können. Das Spiel seiner Gesetzmäßigkeiten kennen zu lernen und sein Potenzial auszuschöpfen ist die sicherste Voraussetzung, um mehr Selbstliebe im eigenen Leben zu entfalten. An dieser Stelle spielen Sinnlichkeit und Sexualität eine wichtige Rolle. Ein Körper, der sinnlich empfänglich ist, der sexuelle Erregung zulassen und genießen kann, ist ein lebendiger Körper, der uns schöne angenehme Gefühle beschert und dadurch unser Empfinden von Selbstliebe und Selbstvertrauen positiv beeinflussen kann.

Wie kommen wir zu mehr Selbstliebe über unseren Körper?

Hier also einpaar Anregungen, um eine Brücke zum eigenen Körper aufzubauen und seine Gesetzmäßigkeiten kennen zu lernen. Dies kann mit der Zeit zu einer tieferen Verankerung im Körper und zu mehr Selbstliebe führen.

Den Körper pflegen und bewegen, seine Kraft und Agilität spüren bzw. diese erweitern und entwickeln durch Laufen in der Natur, Tanzen, Sport und Sex.
Den Körper mit viel und frischem Sauerstoff versorgen, den Atem beobachten und diesen immer wieder vertiefen und ruhiger fließen lassen.
Sich über die Wahrnehmung des Atems immer wieder im eigenen Körper zentrieren. Den Atem als Anker spüren und als immer vorhandene Brücke zum Körper ins Gedächtnis rufen.
Die Spannungen in unserem Körper wahrnehmen und diese aufweichen, damit unnötige Energien nicht verbraucht werden. Über Bauchatmung und Mikrobewegungen den Körper aktivieren, ihn aus der muskulären Versteifung ins Fließen bringen.
Immer wieder beim Körper verweilen und seine Empfindungen lauschen, die Bedürfnisse des Körpers lernen zu erkennen.
Mehr Sinnlichkeit im eigenen Leben zulassen: schöne Dufte, gute Speisen, liebevolle Worte sowie angenehme Berührungen annehmen und schenken, erregende Momente suchen und diese ausdehnen. Ruhe, Stille und Absichtslosigkeit immer wieder Raum geben.
Das eigene erotische Potenzial über das Spiel von Atem, Bewegung, Rhythmus und Spannung erweitern. Den Körper atmen und leben lassen, Verspannungen und mechanische Bewegungen und Berührungen vermeiden, mehr Verspieltheit und Gefühl einfließen lassen.

Selbstliebe ist ein Prozess, keine Errungenschaft, die ein für alle mal erreicht worden ist. Selbstliebe ist eine tägliche Aufgabe, eine innere Haltung, eine immer von neuem einzunehmende positive Hinwendung sich selbst gegenüber. Dieser Prozess ist außerdem keine lineare Entwicklung, dass heißt, es ist vollkommen in Ordnung und normal, dass Selbstliebe an manchen Tagen stärker, an anderen schwächer ausgeprägt ist. Das heisst aber auch, dass wir jeden Tag neu damit starten können und uns ein Lächeln und einen liebevollen Blick schenken können. Dass wir jetzt, gerade in diesem Moment während wir noch lesen, etwas suchen und finden können, was wir an uns wertschätzen, dass wir in dieses Gefühl der Wertschätzung hinein atmen können und stolz darauf sein dürfen!

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